Semesterthema Vorwort

Semesterthema „Gewaltig“

Liebe Studierende, Freundinnen und Freunde!

 

„Gewaltig“: das tönt nach „Gewalt“. Nach Schrecken. Nach Furcht vor der Missachtung unserer Integrität und Selbstbestimmung. Tönt nach den unabweisbaren Nachrichten aus dieser merkwürdig fremden Welt, die von allen Seiten auf uns einprasseln.

„Gewaltig“ tönt auch nach „überwältigend!“ – ganz anders, nach einem grossen Lob. Nach einer Begeisterung, in der wir uns einfach vergessen. Uns loslassen. Nach Hühnerhaut, nach einem Erleben, das unter die Haut geht.

In einer Welt, in der wir so vieles und vor allem uns selbst kontrollieren müssen, sehnen wir uns danach, das Leben einfach fliessen zu lassen. Statt alles im Griff zu halten, so widersprüchlich zu sein, wie wir eben sind. Nicht immer diese mühsam schweren Masken mit uns herumzuschleppen. Wir sehnen uns nach einer lebendigen Fülle, die uns ergreift, die Leere unseres Ich zu erfüllen. Doch so, dass die Bewegung uns nicht Gewalt tut. Uns findet.

 

Fluten erheben sich, Herr,

Fluten erheben ihr Brausen,

Fluten erheben ihr Tosen.

Gewaltiger als das Tosen vieler Wasser,

gewaltiger als die Brandung des Meeres

ist der Herr in der Höhe.

 

So betet Psalm 93: gewaltig ist, was uns ergreift, mitreisst, fortträgt. Gewaltig ist mehr als das dürftige Greifen nach diesem und jenem, das wir selbst machen können. Aber sind wir bereit, es geschehen zu lassen? Oder dominiert die Angst, verletzt, oder beschämt zu werden? Lassen wir sie dominieren?

Ein Raum, in dem sich Schritte auf dieses innere Ziel unseres Menschseins hin ereignen: das möchte das aki sein, auch in diesem Frühjahr 2017. Mit Euch. Für Euch.

Thomas Philipp